Digitale Personalakte & euBP 2027: Pflichten für Arbeitgeber
Digitale Personalakte ab 2027: Was die euBP von Arbeitgebern fordert, welche Unterlagen betroffen sind – und was du jetzt tun solltest.
Inhalt
Das Wichtigste in Kürze
Ab 2027 gibt es keine allgemeine gesetzliche Pflicht zur vollständigen digitalen Personalakte. Relevant werden jedoch bestimmte entgelt- und sozialversicherungsbezogene Unterlagen, die Arbeitgeber elektronisch führen beziehungsweise im Rahmen der elektronisch unterstützten Betriebsprüfung, kurz euBP, digital bereitstellen müssen.
Die Anforderungen betreffen grundsätzlich Arbeitgeber, die Beschäftigte haben, Entgelt abrechnen und der Betriebsprüfung durch die Deutsche Rentenversicherung unterliegen. Die Unternehmensgröße ist dabei nicht ausschlaggebend.
Für HR- und Payroll-Abteilungen bedeutet das: Dokumente müssen digital verfügbar, strukturiert abgelegt, nachvollziehbar und prüffähig sein. Die digitale Personalakte wird damit für viele Unternehmen zum operativen Standard.
Was ändert sich ab 2027 bei der euBP?
Die elektronisch unterstützte Betriebsprüfung (euBP) ist das digitale Prüfverfahren der Deutschen Rentenversicherung (DRV). Arbeitgeber stellen dabei prüfrelevante Daten elektronisch bereit, damit DRV-Betriebsprüfungen effizienter durchgeführt werden können.
Ab dem 1. Januar 2027 endet die Übergangsphase. Arbeitgeber sollten spätestens dann relevante Entgelt- und Sozialversicherungsunterlagen elektronisch führen und prüfungsrelevante Daten digital bereitstellen können.
Wer Unterlagen weiterhin papierbasiert, hybrid oder unstrukturiert verwaltet, muss im Prüfungsfall mit deutlich höherem Aufwand rechnen.
Für welche Unternehmen gilt die Regelung ab 2027?
Die Anforderungen rund um euBP und elektronische Entgeltunterlagen betreffen grundsätzlich alle Arbeitgeber, die Beschäftigte haben, Entgelt abrechnen und sozialversicherungsrechtlich relevante Unterlagen führen müssen. Entscheidend ist dabei nicht die Unternehmensgröße, sondern die Arbeitgeberrolle.
Damit sollten sowohl kleine und mittelständische Betriebe als auch größere Unternehmen, Organisationen mit mehreren Standorten sowie Unternehmen mit interner oder externer Payroll prüfen, ob ihre Dokumentenprozesse auf die digitalen Anforderungen vorbereitet sind.
Welche Unterlagen sind betroffen?
Im Mittelpunkt stehen Unterlagen, die für Entgeltabrechnung, Sozialversicherung und Betriebsprüfung relevant sind.
Allgemeine interne Korrespondenz oder rein organisatorische Dokumente sind anders zu bewerten als Unterlagen mit direktem Bezug zu Entgelt, Beiträgen oder sozialversicherungsrechtlicher Beurteilung.
Deshalb sollten Unternehmen wissen, welche Unterlagen sie führen, wo diese gespeichert sind, wer darauf zugreifen darf und wie sie im Prüfungsfall bereitgestellt werden können.
Warum die digitale Personalakte praktisch immer wichtiger wird
Die digitale Personalakte ist mehr als ein digitales Archiv. Sie schafft die organisatorische Grundlage, um Personaldokumente zentral, strukturiert und nachvollziehbar zu verwalten. Digitale Prüfprozesse setzen voraus, dass relevante Informationen nicht erst gesucht, eingescannt oder aus verschiedenen Systemen zusammengesetzt werden müssen.
Eine digitale Personalakte hilft Unternehmen dabei,
- Dokumente zentral und strukturiert abzulegen
- Zugriffsrechte klar zu steuern
- sensible Personaldaten geschützt zu verwalten
- Such- und Verwaltungsaufwände zu reduzieren
- Medienbrüche zwischen HR und Payroll zu vermeiden
- prüfrelevante Unterlagen schneller bereitzustellen
- Prozesse nachvollziehbar zu dokumentieren
Damit wird sie zu einem wichtigen Baustein für effiziente, sichere und zukunftsfähige Personalarbeit.
Vorteile einer digitalen Personalakte für HR und Payroll
Zentrale Ablage statt verstreuter Dokumente
Eine digitale Personalakte bündelt relevante Dokumente an einem definierten Ort und schafft klare Ablagestrukturen – statt Papierakten, Netzlaufwerken und E-Mail-Postfächern.
Schnellere Verfügbarkeit bei Betriebsprüfungen
Unterlagen lassen sich schneller bereitstellen und interne Vorbereitungszeiten reduzieren. Das entlastet HR- und Payroll-Teams und sorgt für mehr Prozesssicherheit.
Klare Berechtigungen für sensible Personaldaten
Wer darf welche Dokumente sehen, bearbeiten oder löschen? Zugriffe lassen sich rollenbasiert steuern und Personaldokumente kontrolliert verwalten.
Grundlage für moderne HR-Prozesse
Sie verbindet Dokumentenmanagement, Prozesse, Berechtigungen und Datenstrukturen – die Basis für Onboarding, Vertragsmanagement, Bescheinigungswesen und Self-Services.
Was Unternehmen jetzt vorbereiten sollten
Unternehmen sollten die Zeit bis 2027 nutzen, um ihre HR- und Payroll-Dokumentenprozesse systematisch zu prüfen. Ein sinnvoller Einstieg ist eine Bestandsaufnahme:
- 01Welche Personal- und Entgeltunterlagen werden aktuell geführt?
- 02Welche Dokumente liegen bereits digital vor?
- 03Welche Unterlagen existieren noch in Papierform?
- 04Wo entstehen Medienbrüche?
- 05Welche Systeme sind beteiligt?
- 06Wer ist für Ablage, Pflege und Bereitstellung verantwortlich?
- 07Welche Berechtigungen sind notwendig?
- 08Welche Dokumente sind für Entgelt, SV und Prüfung relevant?
- 09Wie lassen sich Unterlagen nachvollziehbar & geschützt verwalten?
Auf dieser Basis lässt sich festlegen, welche Dokumente priorisiert digitalisiert werden sollten, welche Ablagestruktur sinnvoll ist und wie die digitale Personalakte in bestehende HR- und Payroll-Prozesse integriert werden kann.
Warum Unternehmen nicht bis Ende 2026 warten sollten
Die Einführung einer digitalen Personalakte ist kein reines IT-Projekt. Sie betrifft Prozesse, Verantwortlichkeiten, Berechtigungen, Datenqualität, Papierbestände und die Zusammenarbeit zwischen HR, Payroll, Führungskräften und externen Dienstleistern.
Wer erst kurz vor 2027 startet, digitalisiert häufig unter Zeitdruck. Ein frühzeitiger Start ermöglicht dagegen ein strukturiertes Vorgehen:
- Dokumentenbestand analysieren
- relevante Entgelt- und Sozialversicherungsunterlagen identifizieren
- Ablagestruktur definieren
- Berechtigungskonzept erstellen
- Papierbestände priorisiert digitalisieren
- HR- und Payroll-Prozesse integrieren
- Mitarbeitende und Verantwortliche einbinden
So entsteht nicht nur eine Vorbereitung auf 2027, sondern eine langfristig tragfähige Grundlage für digitale Personalarbeit.
Checkliste: Was Unternehmen jetzt konkret vorbereiten sollten
Diese Checkliste ist bewusst als Umsetzungsfahrplan formuliert. Sie wiederholt nicht die Nutzenargumente, sondern macht aus dem Pflichtenthema ein planbares Projekt — mit acht Arbeitspaketen in vier Phasen, jeweils mit prüfbarem Arbeitsergebnis, Verantwortung und Termin.
Die Rolle von HR-Software bei der digitalen Personalakte
Eine digitale Personalakte sollte nicht isoliert betrachtet werden. Ihr voller Nutzen entsteht, wenn sie nahtlos in eine moderne HR-Systemlandschaft eingebunden ist und HR-Prozesse sinnvoll miteinander verknüpft.
Personaldokumente zentral, strukturiert und sicher verwalten
Fazit: Digitale Personalakte ab 2027 strategisch vorbereiten
Ab 2027 steigen die Anforderungen an digitale, prüffähige Entgelt- und Sozialversicherungsunterlagen. Für Arbeitgeber wird eine strukturierte digitale Dokumentenverwaltung damit in der Praxis deutlich wichtiger.
Entscheidend ist nicht die Unternehmensgröße, sondern die Arbeitgebereigenschaft. Wer Beschäftigte hat, Entgelt abrechnet und sozialversicherungsrelevante Unterlagen führen muss, sollte die eigenen Prozesse jetzt prüfen. Die digitale Personalakte reduziert manuelle Aufwände, vermeidet Medienbrüche und schafft mehr Sicherheit in HR- und Payroll-Prozessen.
Stand: Juli 2026
FAQ: Digitale Personalakte & euBP ab 2027
Disclaimer: Dieser Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellt keine Rechtsberatung dar. Für die konkrete Umsetzung der neuen Richtlinien im Unternehmen sollte bei Bedarf rechtlicher Rat eingeholt werden.



